Ich über mich
Es gibt kein Wort, das mich beschreibt; keine Wörter, die mich umreißen. Meine Worte für mich sind anders, als die aller anderen: verwischt.
Letztes Jahr war ich an den Rändern eine andere, als dieses Jahr, und doch bin ich erkennbar. Ich bin immer die Gleiche, und alle gleichzeitig, die ich je war.
Aushalten ist die große Herzensaufgabe: Meine Lebenserfahrung ist gut; ist die beste; ist friedlich und nicht in Gefahr. Aber dort an der Bruchkante meiner Lebenserfahrung ist es bedrohlich; wird es bedrohlicher; ist es gefährlich und wird gefährlicher jedes Jahr. Nicht für mich, aber für viele andere. Noch nicht für mich, für viele andere schon längst.
Lebensroute
Ich bin in Ostdeutschland aufgebrochen, meinen Weg zu suchen. Während des Studiums (Magister in Politikwissenschaften und Volkswirtschaftslehre) war ich in Indien, Kenia, Uganda, Malaysia, Chile und Kolumbien. Nach dem Studium arbeitete ich in Sierra Leone, Liberia, den USA und im Senegal im Bereich Bildungsentwicklung für UNICEF, UNHCR, Weltbank und GIZ. Ich bereiste Ghana, Mali, Malawi, Ruanda, Nepal, Argentinien und Peru. Ich stand auf dem Kilimandscharo. Ich lebe mit meinem Mann und zwei Kindern in Berlin. Der Kili-Gletscher schmilzt.
Schreiben
Die Faszination am Schreiben rührt aus dem Lesen. Das Eine gehört zum Anderen. Mit dem Schreiben habe ich als Jugendliche begonnen: Gedankenbuch, Gedichte, kurze Geschichten und (vor allem) Briefe. Ich schreibe als Übung mich zu hören, tiefer zu hören und als Übung, Ausdruck für meine Innerlichkeit zu finden. Im Sommer 2025 habe ich das Masterstudium „Biografisches und Kreatives Schreiben“ an der Alice Salomon Hochschule mit einer Masterarbeit über den Schreibprozess von Brigitte Reimannn in den 1960er Jahren in der DDR abgeschlossen.
Ich schreibe Gedichte, Fragmente, Briefe und Entwürfe. Ich werfe Wörter zu Texten und lasse sie geworfen liegen. Wenn ich sie aufhebe, sie um- und weiterschreibe und streiche, dann beginnt die Textarbeit.
2017 habe ich eine Ausbildung zur Meditationskursleiterin abgeschlossen. Meditation übt mich im Beobachten, Aushalten, Schauen, Ziehenlassen und auf meine Aufmerksamkeit zu achten. Schreiben (wie meditieren) ist Stillsitzen aushalten … zum Beispiel … ist auch die Neugier zu beobachten, was entsteht.
„Make Art about the things you don’t want to know about yourself. That’s how you meet your actual person inside.“
Kirsten Stewart, Schauspielerin, New York Times, The Interview, Dez. 6, 2025